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muistaa

Schon gestern abend dachte ich an dich. An soviele Jahre, die du nicht mehr bist. Neun werden es, dieses Jahr. Wenn sich dein Tod wieder jährt. Wie jedes Jahr bin ich an Silvester durch die Straßen gelaufen, habe ein wenig geweint, mit dir gesprochen. Dir von meinem Jahr erzählt. Es macht mich traurig, wann immer ich daran denke, was du nicht erleben darfst. Manchmal, was du nicht erleben musst. Aber vor allem darfst. Durftest. Elf Jahre sind kein Alter zum Sterben. Du hättest noch viel sehen sollen. Erleben sollen. Wer weiß, wie dein Leben verlaufen wäre? Wärst du glücklich, heute? Was hättest du erlebt? Wer weiß das schon? Aber ich male es mir gerne aus.

Ein wenig bist du für mich ein Symbol geworden und manchmal schäme ich mich, dich in dieser Form instrumentalisiert zu haben. Du bist ein Mahnmal, eine Erinnerung an die Kostbarkeit, atmen zu dürfen. Weinen zu können. Zu leben. Freude zu spüren. Und du bist immer die Erinnerung für mich an Verzweiflung, an Sterben-Wollen. Schon damals war einer meiner ersten Gedanken "warum konnte ich nicht an ihrer Stelle sein?" und gleichzeitig war mir der Gedanke so peinlich, denn du hattest nicht die Wahl und alle litten so sehr um dich. Und doch kehrten meine Gedanken oft dahin zurück, ob du nicht mehr hättest anfangen können mit deinem Leben als ich mit diesem hier. Wer vermag es zu beurteilen? Ich nicht, du nicht. Es ist so müßig. Aber jede Erinnerung an dich heißt Erinnerung an meinen Schmerz und die Lebensüberdrüssigkeit eines pubertären Welterlebens.

Heute lächle ich, dankbar für mein Leben. Dafür, leben zu dürfen. Zu kosten, zu schmecken von den Gefühlen. Ich möchte es nicht hergeben. Immer ein wenig begleitet von der Trauer, dass du es nicht kannst. Und ich wünsche so sehr, es wäre anders. Unerfüllbar.

Manchmal gucke ich hoch, in den Sternenhimmel. Und wünsche mir einen Himmel für dich, einen Ort, an dem du leben kannst. An dem du all das erleben darfst, was dir hier nicht möglich war. Und wo du auf deine Lieben wartest. Und ihr euch eines Tages wieder halten dürft. Ich glaube daran. Für dich. Ich glaube an deinen Platz, dort in den Sternen. Kannst du uns sehen von dort?

 

16.1.07 22:22
 


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